Geschichte der Grafschaft Hauenstein
Burg
Hauenstein
Der Redmannhof Waldkirch
Der Closenhof in Detzeln
„Closenhof“ leitet sich von Klause ab
Zum drittenmal veröffentlicht heute der SÜDKURIER einen Beitrag über die alten Bauernhöfe im Landkreis Waldshut. Das erstemal war vom Alkenhof auf der Gemarkung Küssnach die Rede, am vergangenen Samstag wurde der Mesnerhof in Höchenschwand unseren Lesern vorgestellt und diesmal steht der Klosenhof in Detzeln für ein neues Kapitel unserer Heimatgeschichte.
Als der Edle Marquard, der einem nicht näher bezeichneten adeligen
Geschlecht angehörte, in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bei dem damals
„Tezilnheim“ geschriebenen Dorf ein Kloster gründete, schien Detzeln im
unteren Steinatal dazu bestimmt, eine geschichtlich bedeutsame Zukunft als Sitz
dieser klösterlichen Niederlassung zu haben. Aber schon nach kurzem Bestehen
wurde das Chorherrenstift der Augustiner Ende des 12. Jahrhunderts von Detzeln
nach Riedern am Wald verlegt, dessen Pfarrkirche mit ihren einträglichen Einkünften
dem Kloster einverleibt worden war.
Die Erinnerung an diese Klosterzeit hält der nördlich vom Dorf gelegene ,,Klosenhof“
oder Closenhof wach, dessen Name sich von Klause (Kloster) herleitet. Zusammen
mit der auf einem kleinen Hügel gelegenen Oswaldkapelle steht das alte Hofgut
auf dem einst vom Kloster überbauten Gelände, wo aller Wahrscheinlichkeit nach
der adlige Stifter seinen Stammsitz gehabt hatte.
Auf einen früheren Adelssitz weist auch der 1341 angeführte „Burgstall an
der Wuhr“ hin, und immer wieder treten bei Grabungen Mauern zutage, die auf
diese Burganlage schließen lassen. Die Kapelle lässt sich seit Anfang des 16.
Jahrhunderts als Besitz des Klosters Riedern nachweisen und wurde 1582 neu
aufgebaut. Der hl. Oswald, dessen Fest am 5. August gefeiert wird, wurde auch in
dem um die gleiche Zeit wie die Zelle Detzeln gegründeten Frauenkloster Berau
besonders verehrt. Bewogen durch den Tod seiner Gattin und seiner Kinder und
besorgt um sein und ihr Seelenheil, hatte Marquard das Kloster gegründet und
ihm zum Unterhalt aus seinem Besitz im Alb- und Klettgau Güter und Einkünfte
in Grießen, dem benachbarten, heute aber untergegangenen Münchingen, Bergöschingen,
Weilerhof, Reute, Raßbach und Riedern am Wald zugewiesen. Bis zu seinem Ableben
bezog er die Einkünfte aus der Schirmvogtei.
Nach dem Tode Marquards nahm König Konrad III. durch eine am 7. Januar 1152 in
Konstanz ausgestellte Bestätigungsurkunde die Klostergründung unter königlichen
Schutz und sicherte ihr für alle Zeiten den bestehenden Besitz und
Zehntfreiheit zu.
Die wichtigste Bestimmung dieser Urkunde aber ist die Übertragung der
Schutzvogtei über das Kloster an Konrad von Krenkingen, der dadurch als treuer
Gefolgsmann der Zähringer eine wertvolle Hilfe bei der Begründung der
Hausmacht der Krenkinger erhielt.
Die Schutzvogtei wurde jeweils dem erstgeborenen Sohn als Nachfolger Konrad von
Krenkingens übertragen, doch durfte kein Untervogt bestellt werden. Sollte der
Schutzvogt dem Kloster Unrecht tun und es trotz wiederholter Mahnung nicht
wiedergutmachen, konnte er abgesetzt und von Probst und Kloster ein anderer Vogt
aus dem Geschlecht der Krenkinger gewählt werden. Bei der Ausfertigung der
bedeutsamen Königsurkunde waren die Bischöfe von Konstanz, Basel und Chur, die
Äbte von Reichenau, St. Gallen, Murbach, Petershausen und St. Ulrich, der wenig
später als Nachfolger König Konrads zum Kaiser gewählte Herzog Friedrich von
Schwaben, der Herzog von Burgund und Vertreter der bedeutenden Grafen- und
Adelsgeschlechter von Baden, von Lenzburg, von Nellenburg, von Pfullendorf und
von Dillingen als Zeugen zugegen. In Urkunden des Klosters Allerheiligen in
Schaffhausen wird 1166 nach dem 1152 genannten Abt Albert als letzte Beurkundung
für das Bestehen des Klosters in Detzeln der Abt Gerlo angeführt. Bis 1415 übte
Johann von Krenkingen die Vogtei über das Augustinerstift in Riedern aus, zu
welchem bald nach der Verlegung auch ein Frauenkloster gegründet worden war.
1417 wurde Landgraf Johann von Lupfen die Vogtei übertragen, deren Rechte zu
Anfang des 17. Jahrhunderts an das Haus Fürstenberg übergingen.
Durch alle Jahrhunderte bezeugte das Augustinerchorherrenstift St. Marien in
Rindern eine besondere Verbundenheit mit dem Ort seiner ursprünglichen Gründung
und hielt Kapelle und Hofgut in besonderen Ehren. 1423 wurden das „Bruderhäusle“
und das „Gütle“ bei der Kapelle durch Probst Räntzer an Hänsle Hirt von
Riedern verliehen. Er sollte sie in gutem Stand halten, „damit der Probst und
die Klosterfrauen, wenn sie in ihre am Tierberg gelegenen Reben wollten, darin
Stube, Kammer und Kost haben konnten“.
Das Dorf Detzeln war inzwischen aus dem Besitz der immer mehr verarmten
Freiherren von Krenkingen an die Herren von Hohenfels und über Zürcher und
Schaffhauser Patrizierfamilien an die Herren von Rumlang gekommen, die es 1480
an das Kloster St. Blasien verkauften.
Die Weiterführung der Tradition des alten Klosterhofes im Sinne der Vorfahren
liegt heute in den Händen von Gustav Hilpert von Indlekofen, der mit Luise geb.
Albicker verheiratet ist. Die Albicker sind ein alteingesessenes Geschlecht, das
aus dem „Hirschen“ in Endermettingen stammt. Der älteste dort bekannte
Namensträger Hans Jörg Albicker begegnet uns schon um das Jahr 1600 als
Hirschenwirt. Der 1728 geborene Sohn des Gallus Albicker begründete das
Schwerzener Albicker Geschlecht auf dem Gasthaus „Zum Adler“, dessen
Besitzer heute Armin Albicker ist. Der letzte Albicker auf dem Klosterhof in
Detzeln war August Albicker, der am 10. Juni 1939 verstorben ist. Seine Frau Maria
geb. Albrecht starb am 18. Februar 1966. Sie besorgte mit großer Liebe und
Sorgfalt das Schmücken der Hofkapelle, läutete zur Betzeit und wenn im Dorf
jemand starb, „ins End“, wie man volkstümlich sagt. Dabei werden auch heute
noch fünf Vaterunser und das Glaubensbekenntnis gebetet und nach jedem der
Gebete das Läuten kurz unterbrochen.
Im Innern der Kapelle lesen wir: „Hier ist nichts anderes als Gotteshaus und die Pforte des Himmels.“ Seit 1956 wird das Betzeitläuten in der neuen Dorfkapelle Maria Frieden besorgt. Doch einen Todesfall kündet immer noch das kleine Glöcklein der alten Klosenhofkapelle. Die große Glocke musste im Krieg abgegeben werden. Die Kapelle mit der Jahreszahl 1582 steht unter Denkmalschutz und hat eine Renovierung dringend notwendig.
In der großen Bauernstube hängt im Herrgottswinkel ein altes Holzkreuz. Ein
behäbiger Bauernstuhl erinnert mit den Buchstaben X.A. und M.G. aus dem Jahre
1813 an den Urahn Xaver Albicker und Maria geborene Gantert. Auch eine alte
Schwarzwälder Uhr kündet noch bedächtig die Zeit. Die Ofenbank ist, wie es früher
üblich war, als Stiefelknecht zu gebrauchen. Zum Kartoffelausfahren ist noch
ein „Usfahrpflug“ mit Jahreszahl erhalten. Einer der Klosterhofbauern machte
den 70er Krieg mit und wurde später Bürgermeister von Detzeln. Die Frauen im
Klosenhof trugen einst wie in der ganzen Gegend die Schwarzwaldtracht mit der Bändelhaube.
Wie malerisch schön sind doch Mädchen und Frauen in der Heimattracht!
Rund um den alten Hof findet sich starkes Mauerwerk bis zu anderthalb Meter Stärke
im Boden. Bei Bauarbeiten wurden vor Zeiten ein wohl silberner Löffel mit
eigenartiger Form und fremden Zeichen gefunden. Leider aber ist das seltene
Fundstück wieder verlorengegangen. Sicher birgt hier der Rasen noch manches
Geheimnis. Brandreste weisen auf einen früheren Brand hin. Der Hof war wie alle
Häuser im Dorf einst mit Stroh gedeckt. In der Küche befand sich ein offener
Rauchabzug, eine sogenannte „Hurd“, zum Speckräuchern.
In Gedanken versunken stehen wir auf dem hohen Felsen über der Steina und schauen zurück in die reiche geschichtliche Vergangenheit des jahrhundertealten Klosenhofes.
Aus einem Zeitungsausschnitt im Südkurier vom 21.5.1966
Bauernhöfe im Landkreis Waldshut (3)
Hans Matt-Willmatt